Live By Night

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Der neue Film von Ben Affleck als Regisseur, als Drehbuchautor und als Schauspieler in Personalunion. Er basiert auf den Roman „In der Nacht“ von Dennis Lehane und behandelt eine Gangstergeschichte in Boston und Florida der 20er und 30er Jahre. In dieser Kritik geht es um Live By Night.

 

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Originaltitel: Live By Night

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck

Produktion: Ben Affleck, Leonardo DiCaprio, Jennifer Davisson und Jennifer Todd

Kamera: Robert Richardson

Musik: Harry Gregson–Williams

 

HANDLUNG

Erzählt wird die Geschichte von Joe Coughlin (Ben Affleck), der in Boston der 20er Jahre lebt und einen Weg als Krimineller eingeschlagen hat. Das missfällt seinem Vater Thomas (Brendan Gleeson), ein angesehener Polizist. Von einem Tag auf den anderen wird es plötzlich brenzlig für Joe, da er sich in die schöne Emma Gould (Sienna Miller) verliebt – die Freundin eines Gangsterbosses. Er kann sich glücklich schätzen, dass er nur im Gefängnis landet.

Nach seiner Freilassung verschlägt es ihm nach Florida, wo er so richtig in das Alkoholschmuggelgeschäft einsteigt. Neue Geschäftspartner, er lernt die Kubanerin Graciela Corrales (Zoe Saldana) kennen und lieben und der Rubel rollt. Sein Aufstieg ist nicht aufzuhalten, bis ihm seine Vergangenheit einholt.

DREHBUCH UND STORY

The Town, Argo – zwei großartige Filme, bei denen Ben Affleck ebenfalls Regie geführt hat. Er hat bewiesen, dass er tolle Geschichten inszenieren kann. Bei Live By Night hat er dies, aber auf der anderen Seite wollte er auch zu viel.

Die Story ist sehr komplex ausgefallen. Im ersten Drittel des Filmes werden die Anfänge von Coughlin als Krimineller erzählt, wie er seine ersten Überfälle tätigt und seine Beziehung zu seinem Vater. Schon hier ist erkennbar, dass die Handlung auf die Gesamtlänge eines Filmes vermutlich zu groß ausfällt. Als Beispiel möchte ich die Gefängnisszene erwähnen, die nach circa drei, vier Minuten zu Ende war. Ich saß im Kino und wünschte mir mehr davon zu sehen, wie er die drei Jahre überstanden hat und so weiter.  Dennoch kommt der Film in dieser Phase gut voran, hat ein gutes Tempo und es macht Spaß der Figur Joe Coughlin zu folgen.

Ab der 30. Minute in etwa hat Live By Night viele Höhen und Tiefen. Während die Hauptfigur eine Entwicklung durchmacht, die glaubhaft erzählt wurde, nimmt die Handlung ein paar Auszeiten was das Tempo betrifft. Zudem werden viele Figuren eingeführt, viele Namen tauchen auf und hier noch eine neue Thematik, hier das Thema des Glückspieles, da das Thema Rassenfeindlichkeit und so weiter. Das ist der Zeitpunkt wo ich als Schauer erkenne, dass Herr Affleck zu viel wollte. Man hat nicht sehr viel Zeit zu allen Figuren eine Verbindung aufzubauen, zudem wirkten die Nebengeschichten nicht ausgereift. Das Interessante dabei ist, dass der Film trotzdem einige langatmige Passagen hat und so war ich dann fast froh als der Abspann nach knapp über zwei Stunden über die Leinwand lief.

Für mich wäre der Inhalt, so gut er im Kern und so spannend die Thematik auch ist, mehr ein Miniserienformat. Da hätte man einzelne Nebengeschichten mehr ausweiten können und die vielen Figuren wären auch besser greifbarer gewesen. Am Ende bleibt ein Film der zu viel wollte, der zu viele Geschichten und Nebenhandlungen erzählt aber trotzdem sehenswert ist. Das liegt vor allem an den großartigen SchauspielerInnen und der hervorragenden Szenerie.

DER CAST

An dieser Stelle gibt es nichts Negatives zu berichten, die Schauspielleistungen waren alle sehr, sehr positiv.

  • Ben Affleck (The Accountant) als Joe Coughlin

Ben Affleck hat sich diese Rolle auf sich selber perfekt zugeschnitten. Das kann man kritisieren, aber ich finde es geschickt gemacht. Dennoch bin ich einer von denen, die Ben Affleck für einen großartigen Schauspieler halten. Wenn er seinen bösen Blick aufzieht wirkt es sehr bedrohlich und generell ist seine Mimik hervorragend. Er schafft es seine Rolle glaubhaft zu verkörpern, auch im Falle von Joe Coughlin. Eine Person, die nach dem Einsatz im Krieg keine Befehle mehr entgegennehmen möchte und daher einen Weg als Krimineller anstrebt.

  • Brendan Gleeson (Jeder stirbt für sich allein) als Tom Coughlin

Eine perfekte Wahl wie ich finde. Er strahlt immer eine gewisse Autorität aus und gleichzeitig bildet er als Polizist den perfekten Kontrast zu seinem Sohn. Er harmoniert grandios mit Ben Affleck und beweist einmal mehr seine große Klasse. Leider etwas zu wenig Screentime.

  • Sienna Miller (High-Rise) als Emma Gould

Sienna Miller verkörpert die erste große Liebe von Joe, die gleichzeitig die Freundin eines Gangsterbosses ist. Sie strahlt eine große Präsenz aus und ist speziell im ersten Drittel eine wichtige Figur was das Vorantreiben der Handlung betrifft. Näher kann ich hier nicht eingehen ohne zu viel zu verraten. Die Leistung von Sienna hat mir jedenfalls sehr gut gefallen

  • Zoe Saldana (Star Trek Beyond) als Graciela Corrales

Eine Frau, die zu einer wichtigen Geschäftspartnerin von Joe wird und gleichzeitig verliebt er sich auch in sie. Mit der Figur werden Themen wie Rassenfeindlichkeit angeschnitten, was im Grunde gut gewählt ist und schon oft in Filmen zu sehen war. Zoe Saldana kann nichts dafür, sie ist eine gute Wahl und macht ihre Sache auch großartig.

  • Weitere Charaktere

Chris Cooper (The Town) als Chief Irving Figgis, Polizeichef in dem kleinen Ort in Tamba, in dem es Joe nach der Verhaftung hinzieht. Zu seiner Figur kann ich auch wenig sagen, außer dass sie mit Chris Cooper gut gewählt wurde.

Elle Fanning (The Neon Demon) spielt Loretta Figgis, die Tochter von Irving. Interessante Figur, die Joe ein wenig Probleme bereitet. Mehr möchte ich auch zu ihr nicht sagen.

Außerdem haben Robert Glenister (Creation) als Gangsterboss Albers White, Max Casella (Jackie) als Digger Pescatore und Chris Messina (Argo) als Dion Bartolo Rollen bekommen.

 

TECHNIK, KAMERA, SOUNDTRACK

Der Look der 20er und 30er Jahre wurde großartig umgesetzt. Autos, Kostüme, Hüte, Waffen, Gebäude – alles wurde realistisch inszeniert. Ich habe mich richtig gut in diese Zeit hineinversetzen können. Die Action dieses Filmes ist auch sehr gelungen, hätte für meinen Geschmack etwas mehr sein dürfen.

In diesem Bereich spielt Ben Affleck seine großen Trümpfe aus, genauso wie bei den Kameraeinstellungen. Die Szenerie wurde nämlich perfekt eingefangen. Immer wieder gab es spektakuläre Kamerafahrten, etwas als ein Boot in Florida über einen Fluss fährt und die Kinobesucher diese Szene von der Vogelperspektive verfolgen können. In den Action-Sequenzen ist sie etwas hektischer, aber nicht zu sehr. Alles ist gut verfolgbar. Die Bilder, die Farben die kreiert werden, sind sehr hochwertig und vermitteln Atmosphäre und Flair – Pluspunkte.

Die Musik von Harry Gregson-Williams (Der Marsianer) passt auch sehr gut zu der Inszenierung, ohne je aufzufallen. Es gibt südamerikanische/kubanische Klänge gefolgt auf düstere, nachdenklichere Rhythmen, wenn es ernst wird oder eine Person stirbt.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Mafiafilm/Drama
7
Overall
6
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